Eine Zeit lang kann jeder Körper Vollgas geben. Irgendwann sind allerdings die Akkus so leer, dass nichts mehr geht. Wer die Signale seines Körpers überhört, kann dann Bekanntschaft mit unschönen Dingen wie Hörsturz, Burn-out oder auch Schlafproblemen machen. Wer bis zum Anschlag im Hamsterrad seines Alltags steckt, sollte jetzt unbedingt die Notbremse ziehen. Eine gute Möglichkeit dazu bietet zum Beispiel autogenes Training.
Tägliches Üben
Es bedarf nur kurzer Einheiten, am besten jeden Tag, um Körper und Geist wieder in eine gewisse Balance zu bringen - mit verschiedenen Übungen zur Stressreduktion, zum besseren Einschlafen oder bewussten Konzentrieren. Während der Übungen sind Körper und Geist gezwungen, den Fokus nur auf eine einzige Sache zu legen. Negative Gedanken und seelische Anspannung, die zunächst vorherrschend waren, lassen Stück für Stück nach und lösen sich. Das klappt allerdings nicht sofort und bedarf etwas Training. Doch Übung macht bekanntlich den Meister. Der Vorteil hierbei ist, dass sich Erfolge recht schnell einstellen und es immer leichter wird, in die Tiefenentspannung zu gleiten. Wichtig: Zum Entspannen hilft Entschleunigen.
Bewährte Methode
Das Verfahren wurde vom Breslauer Arzt und Neurologen Professor Johannes Heinrich Schultz in den 1920er-Jahren entwickelt. Schultz befasste sich ursprünglich mit der entspannenden Wirkung von Hypnose. Er erkannte jedoch, dass sich durch Suggestion und Vorstellungskraft das Gefühl der Entspannung auch selbst, sprich autogen, herbeiführen lässt. Autogenes Training eignet sich für Jung und Alt. Es gibt einen Energieschub, wenn der Alltag besonders stressig war. Regelmäßiges Training stärkt das Wohlbefinden und die mentalen Fähigkeiten. Außerdem ist es eine bewährte Methode zur Linderung von Beschwerden, wie Kopfschmerzen. Auch das Ein- und Durchschlafen wird von vielen Menschen wieder positiv erlebt. Ängste, trübe Stimmung und Wetterfühligkeit lassen sich dank regelmäßiger Übungen besser überstehen und nehmen nicht mehr so viel Platz im Leben ein. Selbst als unterstützende Maßnahme bei der Raucherentwöhnung kommt das Yoga des Westens zum Einsatz. Doch wie funktioniert das Training? Wer die Technik des autogenen Trainings beherrscht, kann kurze Pausen dazu nutzen, Nervosität und Anspannung abzubauen. Dazu sollte mindestens ein Monat - besser sind sechs Wochen - täglich dreimal fünf bis zehn Minuten geübt werden. Bereits nach kurzer Zeit stellen sich erste Erfolge ein, und schon bald kann der Trainierende Muskelspannung, Puls und Atmung so beeinflussen, dass eine körperliche und seelische Entspannung eintritt. Geübt wird in drei verschiedenen Körperhaltungen: Im Liegen, in der Kutscherhaltung oder im bequemen Sitzen. Nachdem die entsprechende Stellung eingenommen wurde, erfolgt die Konzentration auf die Formel der jeweiligen Übung. Setzen Sie sich zum Beispiel für diese entspannende Übung an einem ruhigen Platz in der Kutscherhaltung auf einen Stuhl. Alternativ legen Sie sich auf eine weiche Unterlage auf den Boden, die Arme ruhen neben dem Körper. Schließen Sie die Augen. Konzentrieren Sie sich auf das Schweregefühl in den Armen. In Gedanken sprechen Sie formelhaft vor sich hin: „Mein rechter Arm ist ganz schwer". Spüren Sie der Entspannung der Muskeln und dem Schweregefühl bewusst nach. Auch am anderen Arm und in den Beinen stellt sich nach einer gewissen Übungszeit ein Schweregefühl ein. Verfahren Sie so mit allen Körperbereichen. Durch ein kräftiges Anziehen der Arme beenden Sie die Übung.
Störungsfreie Zone
Schalten Sie Telefon, TV und PC für das Training aus, um ungestört zu sein. Eine wunderbare Reise zu sich selbst bietet eine Übung, die Ihnen Ihre Wünsche und Vorstellungen deutlicher macht: Setzen oder legen Sie sich bequem hin und schließen Sie beim Ausatmen die Augen. Achten Sie auf Ihren Atem. Mit jedem Atemzug gleiten Sie tiefer in die Entspannung. Gehen Sie in Gedanken durch das Tor Ihres Unterbewusstseins. Dabei begegnen Sie Ihren Wünschen und Ihrem Selbst und stehen vor der Entscheidung, Dinge und Verhaltensmuster, die Sie bisher gestört haben, abzulegen. Sie machen sich auf die Reise und stehen an einem Fluss. Links führt er zu seinem Ursprung und in Ihre Vergangenheit. Rechts in seine und Ihre Zukunft. Entscheiden Sie sich für den rechten Weg. Am Wegesrand sehen Sie Ihre Wünsche und Vorstellungen deutlicher werden. Formulieren Sie, was künftig anders sein soll. Verweilen Sie eine Zeit lang am Fluss, gehen dann gedanklich zurück durch das Tor Ihres Unterbewusstseins. Tief durchatmen, Müdigkeit und Schwere verschwinden, Körper und Kopf werden wieder frei. Zum Schluss Augen öffnen und gestärkt zurück ins Leben starten. Diese Übung können Sie innerhalb von 15 Minuten bis zu einer halben Stunde absolvieren. Beim autogenen Training kommt es nicht darauf an, viele verschiedene Programme zu üben. Je öfter ein und dieselbe Übung durchgeführt wird, desto besser klappt es mit der Tiefenentspannung. Praktische Hilfe beim Erlernen bieten übrigens Ratgeber und Übungs-CDs.
28.10.11
Yoga des Westens – Autogenes Training
Viele Menschen sind auf der Suche nach einer Methode zum Entspannen, die einfach zu erlernen ist und binnen kurzer Zeit hilft abzuschalten. Dafür bietet sich zum Beispiel autogenes Training an.

Foto: stockdisc



















